Lesezeit: 4 Minuten

Inhaltsübersicht

Kurzfassung

Mit dem Projekt „Webbasierte Tier-Patientendokumentation“ hat Exolynk nicht nur einen Preis gewonnen, sondern auch die Pflegepraxis in Wildtierstationen digital transformiert. Ergebnis: 50 % mehr Spenden und über 1’000 Stunden Administrationsaufwand pro Jahr eingespart.

Ein Blick hinter die Kulissen eines Award-Winning Projekts

Am Best of Swiss Web Award 2025 wurden Philippe Theis und Robert Schütte für ihr Projekt „Webbasierte Tier-Patientendokumentation“ doppelt ausgezeichnet. In ihrer Präsentation an dem BoSW Winner Talk erklärten die Gründer von Exolynk, wie sie mit ihrer Lösung für die Igelhilfe Schweiz gleich in zwei Kategorien Silber gewannen – für Innovation und Produktivität.

Vom Papierchaos zur digitalen Tierakte – und +50 % Spenden

In ihrer Präsentation zeigten die beiden Gründer, wie aus einer MVP-Entwicklung ein wirksames Werkzeug wurde, das nicht nur die Administration vereinfachte, sondern auch die Spendenbereitschaft signifikant erhöhte. Der Vortrag spannte den Bogen vom Projektstart bis zu konkreten Ergebnissen und Learnings.

Ausgangslage – Zu viel Papier, zu wenig Zeit für Tiere

In Wildtierstationen wie der Igelhilfe Schweiz wurde jede Tierbehandlung per Hand dokumentiert – über 500 Akten jährlich. Die Nachbearbeitung für das Veterinäramt bedeutete zusätzliche Excel-Arbeit. Diese Bürokratie reduzierte die verfügbare Zeit für das eigentliche Ziel: die Pflege verletzter Tiere.

Zielsetzung – Weniger Verwaltung, mehr Tierpflege

Das Projektziel war klar: eine digitale Lösung schaffen, die Verwaltungsaufwand reduziert und gleichzeitig den steigenden Anforderungen der Veterinärämter entspricht. Die neue Lösung sollte den Tierpfleger:innen mehr Zeit verschaffen – durch Automatisierung und intuitive Benutzerführung.

Umsetzung – MVP als agiler Erfolgsfaktor

Das Projekt wurde bewusst als MVP (Minimum Viable Product) realisiert: Schnell verfügbar, nutzerzentriert und iterativ verbessert. Der Fokus lag auf den dringendsten Herausforderungen – etwa des Pflegeprotokolls. Durch direktes Nutzerfeedback konnten Funktionen gezielt angepasst und erweitert werden.

Aha-Moment – Fundraising durch Digitalisierung

Ein unerwarteter Mehrwert: Als eine Mitarbeiterin bemerkte, dass nun wieder Zeit für Fundraising-Briefe blieb, wurde rasch ein neues Feature integriert. Mit strukturierten Tierdaten und Finderkontakten entstand ein automatisiertes Spendentool – ein echter Gamechanger in der Finanzierung der Station.

Ergebnisse – Deutliche Effizienzgewinne und 30–50 % mehr Spenden

Durch die Automatisierung erhalten Finder personalisierte Updates – und spendeten mehr. Die Lösung sparte jährlich über 1’000 Stunden Administration ein. Gesundheitsdaten werden nun digital erfasst, was zusätzliche Auswertungen und KI-gestützte Empfehlungen ermöglicht – ein Gewinn für Pflege, Forschung und Tierschutz.

Technologie – Low-Code & KI auf einer Schweizer Plattform

Technisch basiert die Lösung auf der Exolynk Low-Code-Plattform. Neue Features lassen sich schnell implementieren – wie etwa eine KI, die Pflegeempfehlungen gibt. Die Web-App ist responsiv, überall einsetzbar und auf Schweizer Datenschutzstandards abgestimmt. Damit ist sie flexibel und zukunftssicher.

Learnings – Flexibilität zahlt sich aus

Ein zentrales Learning: Im MVP-Modell ist Kommunikation entscheidend. Nutzer mussten verstehen, dass nicht alles sofort verfügbar ist. Doch durch kurze Entwicklungszyklen und sichtbaren Mehrwert wuchs das Vertrauen. Die Offenheit für neue Erkenntnisse – wie beim Fundraising – machte das Projekt so erfolgreich.

Fazit – Vom Problem zur Plattformlösung

Die digitale Tierakte wurde in nur einem Jahr zum neuen Standard der Wildtierpflege. Der Schlüssel: Fokus auf echte Probleme, iterative Umsetzung, schnelles Feedback. Der Erfolg des Projekts zeigt, welches Potenzial in flexibler Digitalisierung liegt – besonders in ressourcenknappen Non-Profit-Strukturen.

Aus dem anfänglichen Papierchaos ist eine echte Erfolgsgeschichte geworden – mit echter Innovation, deren Dimension zu Beginn niemand geahnt hätte.

Was alle Projektbeteiligten besonders stolz macht: Die Lösung hat sich innerhalb eines Jahres quasi zum De-facto-Standard für digitale Wildtierpflege entwickelt und ist mittlerweile bei vielen weiteren Organisationen in der Schweiz und Deutschland im Einsatz.

Artikel Netzwoche

Gewinner plaudern aus dem Nähkästchen

Drei Siegerteams der diesjährigen Ausgabe von Best of Swiss Web haben am Winner Talk Einblicke hinter die Kulissen ihrer Projekte gegeben. Dabei sprachen sie nicht nur mögliche Herausforderungen an, sondern betonten auch, welche Faktoren ein Siegerprojekt ausmachen.

Link zum Zum Artikel